Im Herzen von Rutigliano, einer kleinen Stadt im apulischen Hinterland unweit der Adriaküste, liegt ein einzigartiges Museum: das Museo del Fischietto, gewidmet den fischietti, jenen handgefertigten Terrakotta-Pfeifen, die seit Generationen von lokalen Kunsthandwerkern geformt werden. Untergebracht im prächtigen Palazzo San Domenico aus dem 18. Jahrhundert, bietet das Museum einen fröhlichen Einblick in die Volkskunst und das kollektive Gedächtnis einer Region, in der jedes Objekt eine Geschichte erzählt.
Vitrinen, die Singen
Schon beim Betreten empfängt Sie eine bunte, verspielte Welt: Hunderte von Terrakotta-Pfeifen füllen die Vitrinen, jede ein Unikat. Hähne, Esel, Figuren in Trachten, fantastische Kreaturen und Krippenszenen werden von den maestri fischiettari, Meisterhandwerkern, die ihr Wissen von Generation zu Generation weitergeben, zum Leben erweckt.
Der Rundgang veranschaulicht jeden Arbeitsschritt: vom Formen des Tons auf der Töpferscheibe über das Brennen in Holzöfen bis hin zur finalen Bemalung mit natürlichen Pigmenten. Historische Fotografien, Werkzeuge und persönliche Geschichten verleihen dieser ununterbrochenen Tradition ein menschliches Gesicht.
Eine Lebendige Tradition
Was dieses Museum so besonders macht, ist seine Verankerung in der Gegenwart. Rutigliano ist bis heute das wichtigste Produktionszentrum für Terrakotta-Pfeifen in Italien, mit mehreren aktiven Werkstätten im Dorfkern. Viele der ausgestellten Stücke stammen aus jüngster Zeit – ein Beweis dafür, dass diese Tradition die Jahrhunderte durchläuft, ohne je zu erstarren.
Jedes Jahr im Januar erwacht die Stadt bei der Fiera del Fischietto zu neuem Leben, einem Volksfest, das Handwerker aus der ganzen Region anzieht. Das Museum fängt diesen festlichen Geist ein, auch wenn die Straßen wieder zur Ruhe gekommen sind.
Was Sie Nicht Verpassen Sollten
- Die anthropomorphen Pfeifen, die Bauern, Hirten und Figuren der Volkskultur mit humorvollen Gesichtsausdrücken darstellen
- Die Miniatur-Krippen, bei denen jede Figur eine funktionsfähige Pfeife ist
- Historische Exemplare aus dem 19. Jahrhundert, die die stilistische Entwicklung im Laufe der Zeit zeigen
- Die Video-Ecke mit Aufnahmen zeitgenössischer Handwerker bei der Arbeit in ihren Werkstätten
- Der interaktive Bereich, in dem Kinder selbst versuchen können, Ton zu formen
Ein Bummel durchs Dorf
Das centro storico von Rutigliano ist ein Labyrinth aus weißen Gassen, Handwerksbetrieben und Bäckereien, wo taralli, panzerotti und focaccia barese frisch gebacken werden. Das Dorf liegt auf halber Strecke zwischen Bari und dem Itria-Tal und ist damit ein idealer Zwischenstopp auf dem Weg nach Alberobello, Locorotondo oder Martina Franca.
Nach dem Museumsbesuch lohnt es sich, eine der noch aktiven Keramikwerkstätten aufzusuchen: Viele Handwerker zeigen gerne ihren Arbeitsprozess und verkaufen Stücke direkt vor Ort. Das ist die perfekte Gelegenheit, ein authentisches Souvenir mit nach Hause zu nehmen und die Menschen kennenzulernen, die diese fröhliche, unverwechselbare apulische Tradition am Leben halten.

