Im Herzen von Taurisano, einer kleinen Stadt zwischen jahrhundertealten Olivenhainen und weißgekalkten Gassen im Süden Apuliens, entfaltet sich jedes Jahr das Settentrio eine neuntägige Novene zu Ehren Mariens, Hilfe der Christen. Die Parrocchia Maria SS. Ausiliatrice verwandelt sich in einen Treffpunkt des Glaubens und der Gemeinschaft, wo Gläubige jeden Alters zusammenkommen, um eine tiefe Tradition zu erneuern. Die Atmosphäre ist umhüllend: gedämpftes Licht, Weihrauchduft, Stimmen, die sich in alten Litaneien verflechten, und Melodien, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Ein Ritual, das Generationen verbindet
Die Novene findet in der Pfarrei Maria Auxiliatrice statt, wo sich jeden Abend die Gemeinde zur Rezitation der Novene versammelt. Es ist nicht nur ein liturgischer Moment, sondern ein Treffpunkt, der die Zeit strukturiert und soziale Bindungen stärkt. Familien kommen früh, Kinder laufen zwischen den Bänken umher, die Älteren tauschen Erinnerungen und Anekdoten aus, während sie auf den Beginn der Feier warten.
Die Gesänge werden vom Pfarrchor vorgetragen, oft begleitet von der Orgel oder traditionellen Instrumenten, und viele Gläubige kennen die Texte auswendig. Es ist ein chorales Erlebnis im vollsten Sinne des Wortes, bei dem die individuelle Stimme in einem kollektiven Chor verschmilzt, der die Kirche erfüllt und sich in die umliegenden Straßen ausbreitet.
Die Höhepunkte der Novene
An der Novene teilzunehmen bedeutet, in eine sensorische und emotionale Erfahrung einzutauchen, die reich an Nuancen ist. Jeder Abend bietet Momente, die im Gedächtnis haften bleiben.
- Die abendlichen Prozessionen, bei denen die Gläubigen in Stille durch die Straßen der Altstadt ziehen, erleuchtet von Kerzen und Fackeln
- Die traditionellen Gesänge im Dialekt, mit Melodien, die in der apulischen Volkskultur verwurzelt sind
- Die Blumenschmuck-Dekorationen, die den Altar und das Bildnis Mariens schmücken, oft von den Frauen der Pfarrei gestaltet
- Die Süßigkeiten des Festes, die nach dem Gottesdienst verteilt werden: Pasticciotti, geröstete Mandeln und Mandelpaste aus lokalen Bäckereien
- Der Klang der Glocken, der jede Feier eröffnet und beschließt, im ganzen Dorf hörbar
Jenseits der Pfarrei: Taurisano und Umgebung
Taurisano verdient einen Spaziergang vor oder nach dem Gottesdienst. Das historische Zentrum bewahrt die typische Architektur der apulischen Dörfer: Portale aus Lecceser Stein, blumengeschmückte Balkone, kleine Plätze, an denen man für einen Kaffee oder ein Glas Wein anhält. Die Gemeinde ist gastfreundlich und aufgeschlossen, und es kommt oft vor, dass Besucher eingeladen werden, für ein Gespräch zu verweilen.
Die Lage des Ortes ist ideal für diejenigen, die Spiritualität und Natur verbinden möchten: nur wenige Kilometer entfernt liegen die Strände der ionischen Küste, von Pescoluse bis Torre Vado, mit ihrem kristallklaren Wasser und sandigen Ufern. Die örtlichen Trattorie bieten Gerichte aus der bäuerlichen Tradition Ciceri e tria, Pittule, Lammbraten serviert mit jener authentischen Einfachheit, die das Markenzeichen der apulischen Küche ist.
Wann und wie teilnehmen
Das Settentrio findet in der Regel Ende Mai statt, zeitgleich mit dem liturgischen Fest Mariens, Hilfe der Christen. Die genauen Daten werden jedes Jahr über die Social-Media-Kanäle der Pfarrei mitgeteilt. Es empfiehlt sich, etwa eine Viertelstunde vor Beginn anzukommen, um einen Platz zu finden und die Atmosphäre zu genießen, die entsteht, während sich die Kirche füllt. Eine schlichte und respektvolle Kleidung wird geschätzt, wie es der Tradition entspricht. Nach den Gottesdiensten entstehen oft informelle Momente des Austauschs: Haben Sie keine Eile wegzugehen gerade diese Augenblicke offenbaren die authentische Seele der Gemeinschaft.
