In Sternatia, einem kleinen Dorf in Apulien, in dem das Griko bis heute zur Identität gehört, öffnet die Gemeindebibliothek ihre Türen für ein eindringliches Thema der regionalen Erinnerung. Die Präsentation von Il ragno, la tela, il manicomio von Roberto Lupo betrachtet den Tarantismus aus einer ungewohnten Perspektive: der des manicomio, der Anstalt.
Die Spinne, das Netz und die Krankensäle
Der Untertitel des Buches sagt es klar: Geschichten des Tarantismus in der psychiatrischen Klinik von Lecce zwischen 1900 und 1950. Gewöhnlich verbindet man den Tarantismus mit Musik und Tanz, mit dem Biss der Tarantel und dem Tamburin.
Hier richtet sich der Blick darauf, was geschah, als diese Geschichten auf die Mauern der Anstalt trafen. Es ist ein Kapitel der Erinnerung, das selten auf Postkarten landet.
Ein Abend im Gespräch statt im Vortrag
Der Autor wird von Manuel De Carli und Anna Maria Vergine begleitet. Das lässt eher ein Gespräch als einen Monolog erwarten, mit Einordnungen, Fragen und Austausch mit dem Publikum.
Auch der Ort trägt dazu bei. Eine Gemeindebibliothek hat eine ruhige, aufmerksame Atmosphäre: Regale im Rücken, die Nachbarn auf dem Stuhl nebenan.
- Ein intimer Rahmen im Dorfformat, in dem Nachfragen leichtfallen
- Drei Stimmen zu einem Thema zwischen Geschichte, Medizin und Folklore
- Lokale Erinnerung, erzählt von Menschen, die die Gegend kennen
- Die Gelegenheit, nach dem Gespräch in den Regalen zu stöbern
Warum gerade Sternatia
Sternatia gehört zu den Dörfern der Grecìa, wo griechisch geprägte Sprache und Bräuche den Alltag seit Jahrhunderten formen. Die Veranstaltung ist Teil des Programms eines Bibliotheksnetzwerks der Region, und man spürt den Gemeinschaftsgeist.
Ein Spaziergang durch das Dorf vor dem Termin gehört zum Erlebnis. Steinhäuser, ruhige Gassen und der zentrale Platz bilden den passenden Rahmen für eine Geschichte über Tradition und ihre Schattenseiten.
Den Abend verlängern
Sternatia liegt nahe bei Zollino, Martano, Soleto und Corigliano d'Otranto, deren Kirchen und Altstädte zum langsamen Bummeln einladen. Lecce, wo die Geschichten des Buches spielen, ist nur wenige Kilometer entfernt, und sein Barock bietet am nächsten Tag einen schönen Kontrast.
Wenn Tarantismus für Sie bisher nur Pizzica bedeutete, ist dies die Gelegenheit, die andere Seite kennenzulernen. Kommen Sie etwas früher, setzen Sie sich weiter nach vorn und bringen Sie Neugier mit. Das Thema ist schwer, die Stimmung aber herzlich.
Der Abend eignet sich für alle, die sich für lokale Geschichte interessieren, allein, zu zweit oder mit Freunden. Sie nehmen einen tieferen Blick auf ein Land mit, das mehr ist als seine Strände.
